Martin Verges
Aufklärung und
Unterhaltung,
das ist die Aufgabe
des Autors.
 Besonderes:
 Digedags-Musicals

 Lindenberg-Musical
  FABEL
  HANDLUNG
  Download
  Weg der Information
  Klage
  Urteile
  Rechtsfehler
  Lindenberg konkret
  Brussig konkret
  Meine Motivation
  Aktuelles  |  Autor  |  Regisseur  |  Biographie  |  Credo  |  Kontakt  
Lindenberg-Musical - Lindenberg konkret
 
Ich denke, Herr Lindenberg ist insgesamt mit großer Geschicklichkeit und sehr vorausschauend vorgegangen.
  1. Herr Lindenberg hat 2005 von mir ein Werk erhalten, das ihm gefallen hat. Das hat er mir mehrfach mitgeteilt. 2007 hat er den Autor Thomas Brussig engagiert, eine FABEL zum Thema "Lindenberg und die DDR" zu erarbeiten. Herr Lindenberg hat also einen anderen Autor auf denselben STOFF angesetzt.
    WARUM hat Herr Lindenberg nicht einfach mein Werk genommen? WARUM wollte er ein zweites Musical zum selben Thema haben? Ich vermute, Herr Lindenberg wollte von Anfang an meine FABEL einer Affäre vom Auftritt zum Mauerfall für ein eigenes Werk übernehmen. Ich vermute, er hatte dann - weil das nämlich urheberrechtlich nicht erlaubt ist - die Idee, diese Fabel von einem anderen Autor einfach nochmal erfinden zu lassen. Ich vermute, dass Herr Lindenberg mit genau dieser Absicht und ganz zielgerichtet den "Mauerfall-Experten Brussig" ausgewählt hat. Ich vermute, Herr Lindenberg hat erwartet, dass Herr Brussig die von mir erfundene FABEL allein und ohne fremde Hilfe in einer Doppelschöpfung zum zweiten Mal erfindet. Herr Brussig hätte also erfinden müssen, dass Udo Lindenberg das "Mädchen aus Ost-Berlin" wiedertrifft, dass das genau beim Mauerfall passiert und dass er dieses Mädchen nicht einfach 1972 auf der Straße kennenlernt sondern genau bei diesem Auftritt im "Palast der Republik" 1983 als FDJlerin im Backstage-Bereich. Aber der Herr Brussig hat diese FABEL nicht gefunden.

  2.  
  3. Herr Brussig hatte zunächst eine ganz andere Fabel entwickelt. Diese Fabel hat Herrn Lindenberg aber nicht gefallen. Also hat er Herrn Brussig einen Gegenvorschlag unterbreitet und ihn auf diese Weise zu der von mir erfundenen Fabel hingelenkt. Konkret: Am 27. August 2007 hat Herr Lindenberg Herrn Brussig per e-Mail instruiert, die Affäre mit derm "Mädchen aus Ost-Berlin" von 1972 als stücktragende Hauptlinie zu verwenden. Diese Affäre sollte aber nicht 1972 passieren, sondern erst beim Auftritt 1983 beginnen und später durch eine Wiederbegegnung nach dem Mauerfall abgeschlossen werden. Ich denke, damit hat Herr Lindenberg meine Fabel einer Affäre vom Auftritt zum Mauerfall zu großen Teilen weitergegeben. Ich bin sicher, ohne dieses Eingreifen von Herrn Lindenberg hätte Herr Brussig ein anderes Stück geschrieben. Und dann gäbe es diese Klage nicht.
    Meines Erachtens hätte Herr Lindenberg sogar die Pflicht gehabt, eventuell zufällig auftretende Übereinstimmungen in den Erfindungen der beiden Werke seinem Autor Brussig mitzuteilen und einen größeren Abstand zu verlangen. Stattdessen hat Herr Lindenberg diese Übereinstimmungen sogar selbst hergestellt.

  4.  
  5. Herr Lindenberg trat in diesem Produktionsprozess 2007-2011 aber nur in Ausnahmefällen als direkter Ideenlieferant auf. Meistens hat er sich im Hintergrund gehalten und den Intendanten Ulrich Waller direkt mit Herrn Brussig reden lassen. Es war Herr Waller, der mit Herrn Brussig zusammengearbeitet hat, der ihn kontrolliert und gelenkt hat. Aber alles ist im Auftrag und unter Kontrolle von Herrn Lindenberg geschehen. Das hat Herr Brussig bei einem Podiumsgespräch in Neuhardenberg im Sommer 2011 exakt so dargestellt. [Zitat Brussig, 2011: "Wir hatten auch einen wunderbaren Mediator in Ulrich Waller, ..." - Quelle: "Sonderzug nach Pankow", ein Sonderheft der Zeitschrift "Theater der Zeit" mit wörtlicher Darstellung dieses Podiumsgesprächs]
    Dieser "Mediator Waller" hat also Ideen und Anregungen in die eine Richtung und die Ergebnisse zur Kontrolle in die andere Richtung transportiert.
    WARUM hat Herr Lindenberg nicht direkt mit Herrn Brussig zusammengearbeitet? WARUM war ein "Mediator" überhaupt nötig? Ich vermute, Herr Lindenberg wollte ein Musical, in dem die von mir erfundene Fabel einer Affäre vom Auftritt zum Mauerfall stattfindet, aber Herr Lindenberg wollte für diese urheberrechtlich bedenkliche Tat nicht direkt verantwortlich sein. Ich vermute, deshalb hat er einen "Mediator" dazwischengeschaltet, quasi als "urheberrechtliche Schutzschicht". Und der "Mediator Waller" hat dann den "Autor Brussig" in die vom "Auftraggeber Lindenberg" gewünschte Richtung gelenkt. So konnte Herr Lindenberg immer sagen, er hätte mit Herrn Brussig eigentlich fast keinen Kontakt gehabt.
    Ob der "Mediator Waller" mein Werk kannte, ist eigentlich gleichgültig, denn er handelte nicht aus eigenem Antrieb sondern im Auftrag von Herrn Lindenberg. Und wer da wann was zu wem und mit welcher Absicht gesagt hat, wer wann welche eigene oder fremde Idee eingebracht hat, ist ebenso gleichgültig, denn das Prinzip der Lenkung und Kontrolle ist entscheidend. Herr Brussig hat nicht frei gearbeitet, sondern ferngesteuert.

  6.  
  7. Herr Lindenberg hat zu keinem Zeitpunkt offengelegt, dass für das Musical "Hinterm Horizont" ein anderes Werk als Vorlage genutzt worden ist. Er hat mein Werk von 2005 niemals erwähnt. In keinem einzigen Interview hat er die Existenz meines Werkes und seine Kenntnis davon offengelegt. Das heißt, er hat die Quelle nicht angegeben.
    Unabhängig davon, wie die Sache literaturwissenschaftlich und juristisch zu bewerten ist, Herr Lindenberg hat den eigentlichen Ursprung, den eigentlichen Impuls, die eigentliche Quelle des Musicals "Hinterm Horizont" vollständig verschwiegen. Stattdessen hat sich Herr Lindenberg in hunderten Interviews und in tausendfach verbreiteten Pressemitteilungen selbst als großer Ideengeber dargestellt. Dabei war weder die Idee eines Musicals zum Thema "Lindenberg und die DDR" noch die FABEL einer Affäre vom Auftritt zum Mauerfall eine Erfindung von Herrn Lindenberg.
    Ich bin nicht der Meinung, dass es sich hier um eine "Idee" handelt. Es sind mehrere Ideen, die ineinander greifen und die im Zusammenwirken eine FABEL bilden. Aber mal angenommen, es wäre nur eine Idee, dann ist diese Idee frei, denn Ideen sind prinzipiell nicht schutzfähig. Jeder darf sich von fremden Ideen zu eigenen Werken inspirieren lassen. Was aber definitiv nicht erlaubt ist, ist eine fremde Idee einfach als eigene Idee darzustellen. Doch genau das hat Herr Lindenberg getan. "Nach einer Idee von Udo Lindenberg und Ulrich Waller" steht im Programmheft. Und das haben 1,5 Millionen Zuschauer gelesen.
    Ich finde, diese Darstellung ist schlicht und einfach Betrug. Und dieser millionenfache Betrug - durchgeführt von dem Prominenten Lindenberg - zum Zweck der Schädigung des Autors Martin Verges - wurde von keinem der Gerichte auch nur beanstandet.
    Ja, Herr Lindenberg hatte eine Idee. Aber das war nicht die Idee zu diesem Stück.

  8.  
  9. Und Herr Lindenberg hat die Öffentlichkeit mit Lügen überschüttet. In den 18 Monaten zwischen Premiere und Einreichung meiner Klage hat er in Dutzenden Interviews immer wieder behauptet, er hätte das, was ich erfunden habe, wirklich erlebt:
    Er hätte bei dem Auftritt 1983 eine FDJlerin kennengelernt, woraus dann eine langjährige Affäre erwachsen wäre. Von dieser Affäre hätte aber niemand auch nur das Geringste erfahren, weder die Eltern oder Freundinnen des Mädchens, noch seine Musiker-Kollegen, noch die Stasi. Es war alles so unglaublich geheim, dass niemals von irgendjemand irgendetwas bemerkt worden wäre. Heute kann er dieses Mädchen von 1983 nicht öffentlich vorstellen, weil sie leider so überaus pressescheu wäre. Aus dieser Affäre von 1983 wäre ein Sohn entstanden, der heute irgendwo im Spreewald leben würde. Mit dem Mädchen von 1972 wäre es "nicht zum Äußersten gekommen" [Er hat also gar nicht mit ihr geschlafen?] und der Song "Mädchen aus Ost-Berlin" wäre eine "Vorausschau" gewesen, auf das, was ihm zehn Jahre später passieren sollte. [Er ist also ein Prophet?]
    Das alles hat Herr Lindenberg genau so behauptet. Tatsache. Er hat gelogen, dass sich die Balken biegen. In seiner Autobiographie von 2004 steht von einer Affäre, die beim Auftritt beginnt, kein einziges Wort. Nichts. Vor Gericht hat Herr Lindenberg dieses absurde Lügen-Gebäude dann auch nicht aufrecht erhalten. Es ist eine Tatsache: Herr Lindenberg hat das reale "Mädchen aus Ost-Berlin" von 1972 verleugnet und seine Biographie umgelogen.

    Es ist mir heute immer noch unbegreiflich, dass die Zuhörer bzw. Leser tatsächlich glauben konnten, dass Herrn Lindenberg diese unrealistische, romanhafte Story wirklich passiert wäre, dass ihm das "Mädchen aus Ost-Berlin" tatsächlich bei diesem Auftritt 1983 begegnet sein soll, ausgerechnet direkt bei diesem Ereignis. Ein Blick in seine Autobiographie hätte genügt, dieses Lügen-Gebäude zum Einsturz zu bringen. Aber keiner hat gewagt zu sagen, dass der Kaiser doch nackt ist.

    Die Kernfrage ist aber: WARUM hat Herr Lindenberg so gehandelt? Es ist ja ausgesprochen riskant, so großflächig und plump zu lügen. Ich denke, das war keine PR-Aktion, sondern Herr Lindenberg hatte eine ganz andere Absicht. Wenn diese Geschichte nämlich in Wirklichkeit passiert ist, dann kann kein Autor urheberrechtliche Ansprüche darauf anmelden. Denn alles, was wirklich passiert ist, ist nicht geschützt. Ein Autor, der zufällig die Realität erfunden hat, kann keine Ansprüche geltend machen. Ich denke, Herr Lindenberg wollte mit diesen Lügen meine Ansprüche abwürgen. Ich denke, exakt das war seine Absicht. Ich denke, er wollte einem ganz bestimmten Menschen Schaden zufügen: Mir, dem einzigen Fan, der jemals für ihn ein Musical geschrieben hat.

    Und nach meiner Auffassung bedeutet dieses Verhalten außerdem, dass Herr Lindenberg selbst der Meinung war, dass es sich um eine Urheberrechtsverletzung handelt. Ansonsten hätte er nämlich nicht so eine absurde Räuberpistole erzählen müssen. Ansonsten hätte er nicht das Risiko auf sich nehmen müssen, als nackter Kaiser ausgelacht zu werden.
 
 
Ich bin der Überzeugung, dass Herr Lindenberg planmäßig vorgegangen ist. Ich denke, er hat ganz bewußt den "Mauerfall-Experten Brussig" ausgesucht. Ich denke, er hat ihn dann ganz bewußt und manipulativ zu meiner Fabel hingelenkt, und zwar ganz bewußt mit Hilfe eines "Mediators". Und ich denke, er hat ganz bewußt die Quelle - also mein Werk - unterschlagen. Meiner Meinung nach war das ein genau kalkulierter Plan. Ich denke, Herr Lindenberg wollte mit diesem "geschickten Verhalten" die Aneignung von fremdem geistigen Eigentum vollziehen. Meiner Meinung nach kann man seine "große Geschicklichkeit" auch durchaus anders bezeichnen.
 
Ohne mein Werk von 2005 hätte es dieses Musical "Hinterm Horizont" nicht gegeben und die Herren Lindenberg und Waller würden immer noch über eine Fabel nachdenken. Und ohne dieses Musical "Hinterm Horizont" säße Herr Lindenberg in einem Hotel in Hamburg und es würde niemanden interessieren. "Lindenberg? Ja, da war mal was. Ist lange her." Ohne das Musical "Hinterm Horizont" wäre Herr Lindenberg langsam in der Bedeutungslosigkeit versunken. Stattdessen ist er wieder wichtig und und er bekommt sogar das Bundesverdienstkreuz - für "Verdienste um die Stadt Berlin". Welche Verdienste sind da konkret gemeint? Weil er 1972 ein DDR-Mädchen auf der Straße angesprochen hat? Weil er 1983 für Erich Honecker im "Palast der Republik" aufgetreten ist? Weil er beim Mauerfall geschwiegen hat und in Hamburg geblieben ist? Oder weil er 2011 ein Musical rausgebracht hat, das auf Erfindungen eines anderen Autors beruht?
 
Udo Lindenberg hat seiner Biographie damit ein neues Kapitel hinzugefügt. Und dieses Kapitel ist sehr interessant, denn es zeigt den wahren Charakter dieser "Person der Zeitgeschichte".
Es ist tatsächlich eine "Zeit-Geschichte". Denn es ist eine Geschichte, die symptomatisch für diese Zeit ist:
Aus echter Verehrung erfindet ein Autor ein Musical über einen Prominenten. Und der Prominente stellt dieses vom Autor erfundene Denkmal als seine eigene Erfindung hin. Und die für das Recht verantwortlichen Richter sehen darin kein Vergehen.
So ist unsere Zeit. Es ist der "stinkende, faulende, parasitäre Kapitalismus".